Eigene Fotos verkaufen als Geschäftsmodell?

Ein zusätzliches Geschäftsmodell nur für die Betreiber der Shops oder wirkliche Innovation für Fotografen? Wenn ich eigene Fotos auf Papier oder Leinwand machen lassen will, gibt es für mich nur eine Firma. Ausprobiert habe ich viele, aber von der Qualität hat mich nur eine Firma überzeugt. Das war Saal-Digital. Auch die meisten meiner Fotofreunde lassen bei Saal-Digital entwickeln. Vor kurzem hat mich einer dieser Fotofreunde darauf aufmerksam gemacht, dass man bei Saal-Digital eigene Fotos in einen eigenen Shop hochladen kann. Der Verbraucher kann sich dann ein Motiv…

das er vielleicht schon lange sucht heraussuchen und bei Saal-Digital sofort entwickeln lassen. Hinter Acryl, auf Leinwand, Papier oder was auch immer. Der Fotograf kann den Preis und damit seine Handelsspanne selbst festlegen. Das klang erst einmal gut. Besteht doch die Chance seine Fotos zusätzlich noch zu vermarkten. Mir ist es hin und wieder passiert, dass eine Anfrage von einer Werbeagentur nach einem meiner Fotos ins Haus flatterte. Die haben im Internet nach einem ganz bestimmten Motiv recherchiert und sind dabei bei einer meiner Fotos hängen geblieben. Ein solcher „Fotografen-Shop“ wäre also eine sinnvolle Ergänzung.

Aber der Teufel sitzt im Detail. Wie eigentlich immer, wenn viele Shop-Anbieter ins Kraut schießen. Ein Anbieter bezahlt die Fotografen erst aus, wenn ein Guthaben von 50 Euro ausgewiesen wird. Das kann man sofort wieder vergessen. Es kann sehr lange dauern bis ein solcher eigener Shop im Netz bekannt wird. Wenn man Glück hat als Anfänger verkauft man mal zufällig ein Foto. Dann hat man 10 Euro Guthaben auf dem Konto und bekommt sein Geld nicht. Wenn man keines mehr verkauft…nie mehr. Die zahlen einfach nicht aus. Also sollte man von solchen Angeboten als Fotograf die Finger lassen. Der Ärger ist es nicht wert.

Probiert habe ich dann den Shop von Saal-Digital. Man kann kostenlos einen „Fotografen-Shop“ eröffnen und seine Fotos hochladen. Allerdings nur eine Handvoll, denn der dafür zur Verfügung stehende Speicherplatz ist auf magere 500 MB begrenzt. Also kann man diesen Shop von daher gleich wieder vergessen. Aber ich habe ihn trotzdem getestet. Ein weiterer Minuspunkt: man benötigt AGB`s. Es wird zwar eine Art von Muster vorgegeben, aber beim Durchlesen kamen mir doch starke Zweifel ob dieses Muster wirklich hilfreich ist um sich keine Abmahnung einzufangen. Es wird ein Logo verlangt in den AGB`s. Aber ich habe keines. Auch mit dem Text selbst kam ich nicht klar. Es wird auch eine gesonderte Widerrufserklärung verlangt. Aber normalerweise sollten diese in den AGB`s enthalten sein. Schon alleine dieser administrative Kram hat mich so stark abgeschreckt, dass ich mich erst nach vielen Tagen wieder damit beschäftigt habe. Wenn ich mich schon mit so einem Shop-Angebot befasse, dann will ich nicht auch noch einen Anwalt beschäftigen müssen. Und dann die Versandkosten: ein Chaos. Für jeden Mist muss man selbst die Versandkosten festlegen. Für jedes Produkt…und die haben sehr viele Produkte. Ein richtiger Bullshit. Die Preise kann man selbst festlegen. Das ist wie bei den anderen Shops auch. Fotos hochladen und dann kann es losgehen. Eine eigene Homepage sollte man aber schon haben. Alle Shops die ich gesehen habe, bieten diese Möglichkeit an.

Dann habe ich pictrs ausprobiert: Hier hat man kapiert, dass wirklich erfolgreiche Dinge “ easy to use“ sein müssen. AGB`s werden gleich mit angeboten. Man muss sich nicht mehr darum kümmern. Klasse! Man hat im kostenlosen Shop 2 GB zur Verfügung! Daumen hoch! Man kann ein Foto das man im Original hochgeladen hat in 7 unterschiedlichen Auflösungen zum Download anbieten! Besser geht es nicht mehr! Und dann natürlich die „üblichen Verdächtigen“: auch hier kann der Kunde sofort Fotoabzüge mitbestellen oder ein Motiv auf Leinwand setzen lassen. Wie bei den anderen Shops auch. Erst wem die 2 GB Speicherplatz nicht mehr ausreichen muss ich in einen bezahlten Shop upgraden. Ich konnte aber mit dem kostenlosen Shop etwa 400 Original-Fotos hochladen und zum Verkauf anbieten. Erst bei 2,3 GB war Schluss. Die Handhabung ist wirklich sehr, sehr einfach. Ich kam also Laie sofort damit klar. Wirklich interessant wird es für die Auftragsfotografie. Also Eventfotografie, Hochzeitsfotografen oder auch Babyfotografie. Die Fotografen können die Originale in einen geschützten Bereich einstellen bei der nur die Auftraggeber Zugriff haben. Die Auftraggeber können dann die Bilder heraus suchen die sie haben wollen und bezahlen auch nur für diese. Oder anders ausgedrückt: ein Auftrags-Fotograf muss sich nicht mehr um die Rechnungsstellung kümmern. Der Kunde sieht sofort was er bezahlen muss und der Fotograf hat sofort sein Geld. Eine echte Innovation für Fotografen.

Hier der Link:  www.pictrs.com

Ein relativ neues Portal für Fotografen ist „exclupics.com“ Hier kann man seine Fotos exclusiv verkaufen. Allerdings sind die Voraussetzungen dafür sehr hoch. Um Bilder mit abgebildeten Personen hochzuladen benötigt man ein Model-Release. Auf deutsch: eine Einverständniserklärung. Das kann ich noch einigermaßen nachvollziehen. Aber man kann auch keine Fotos mit Gebäuden (Property Release) aller Art hochladen. Für „Kunstwerke, Gebäude, Denkmäler etc.“. Man beachte das „etc“. Also im Grunde kann man hier nur Blümchenfotos hochladen. Offenbar ist den Machern die Rechtssprechung des BGH zu fotografierten Gebäuden entgangen. Außerdem wollen sie, falls ich das richtig gelesen habe, die Fotos nicht nur exclusiv, sondern auch noch die Hälfte der Einnahmen. Dafür scheint der Speicherplatz unbegrenzt zu sein. Jedenfalls habe ich nichts davon lesen können. Aber auf einem relativ neuen Portal exclusiv Fotos anbieten? Da kann man unter Umständen sehr lange warten bis die mal bekannt sind und was läuft. Exclusiv heißt nämlich…ich darf meine Fotos nirgendwo anders einstellen. Also auch nicht auf meiner eigenen Homepage. Irgendwie kann ich mich einfach nicht dafür begeistern.